Gastdozentur für Architekturtheorie
Dr. Torsten Lange
Über uns

  1. Schlusskritik Seminar «Critical Issues: Archithese» FS 18. Foto: Gabrielle Schaad
  2. Plakat Seminar «Critical Issues: Archithese» FS 18. Gestaltung: Lisa Maillard
  3. Workshop mit Beatriz Colomina. Foto: Torsten Lange
  4. Gruppenfoto Seminarwoche Finnland FS 18. Foto: Alexa Grieder
  5. Plakatmotive Seminar «Making Difference» HS 17. Gestaltung: Blanka Major


«Think we must». (Virginia Woolf, Three Guineas, 1938)


Als Gestalter/-innen von Lebensumwelt haben Architektinnen und Architekten eine besondere Verantwortung. Gleichzeitig sind sie in ihrer Ausbildung und Arbeit von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und sich wandelnden Anforderungen beeinflusst. Vor diesen Hintergrund stellen wir Virginia Woolfs Aufforderung zum Denken für die Architekturtheorie.

Was aber bedeutet kritisches Denken in einer Zeit, in der es Tatsachen (matters of fact) zunehmend an sicherem Boden fehlt, wie Bruno Latour feststellt? Statt Tatsachen bloss zurückzuweisen, um Kritik an ihnen zu üben, schlägt er vor, sie mit Wirklichkeit anzureichern, um zu einer konsequent realistischen Haltung zurückzukehren. Auch in der Architekturtheorie können wir uns nicht länger mit vermeintlich «in Stein gemeisselten» Wahrheiten zufriedengeben. Es gilt in diesem Sinne auch, das jüngere «kritische Projekt» der Theorie zu befragen.

Architekturtheorie taugt weder als Lieferant von universalen Lösungen noch als autonome Instanz. Wir sehen ihre Aufgabe nicht darin, aus der Praxis allgemeine Regeln für das Entwerfen und Bauen abzuleiten. Ebenso wenig soll sie dazu dienen, das Gebaute auf der Grundlage vorgefertigter theoretischer Ansätze einer strikt objektiven Analyse zu unterziehen. Vielmehr entwickelt sie als spezifische Form des Denkens ein Wissen von Architektur als einer geistigen und stofflichen Praxis. Dabei muss Architektur den komplexen Lebenswirklichkeiten gerecht werden, die sie prägt und welche sie prägen. Gleichzeitig sind Architektinnen und Architekten in ihrem Handeln in diesen Wirklichkeiten situiert.

Architekturtheorie so verstanden befasst sich mit dem Klären der materiellen Beschaffenheit sowie dem Machen von Architekturen unter konkreten historischen und geographischen Bedingungen. Diese Kontexte entstehen als dynamisches Beziehungsfeld verschiedener Akteure. Das darüber produzierte und geteilte Wissen ist lokal verortet. Uns stehen die Werkzeuge des Beobachtens und Beschreibens des Gebauten zur Verfügung – jedoch mit dem Ziel, dessen Bedingtheit statt Regelhaftigkeit zu erkennen. Auch soll die Analyse der Tätigkeit von Architektinnen und Architekten nicht gestalterische Prozesse verwissenschaftlichen oder gar als Entwurfswissenschaft instrumentell werden. Es geht vielmehr darum, soziale Aushandlungsprozesse und Handlungsspielräume zu zeigen.

Ziel unserer Lehre ist, die Fähigkeit zum kritischen Denken und zur Artikulation solcher Bedingtheiten und Zusammenhänge auszubilden. Trotz vielfacher Beteuerung spricht Architektur in den meisten Fällen eben nicht für sich selbst, auch wenn sie über die körperlich-sinnliche Erfahrung einen unmittelbaren Zugang zur gebauten Umgebung ermöglicht. Doch ist das schon Wissen? Indem wir bewusst Raum für Differenzen öffnen, möchten wir zu einer Multiplikation von Ideen in Theorie und Praxis beitragen.


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Dr. Torsten Lange